Interview
Drei Fragen an André Muster
Wie kann man sich eine Autismusspezifische Förderung oder Therapie vorstellen?
Die Förderungen, die wir im ATB anbieten sind ganz individuell auf jeden unserer Klienten abgestimmt. Für die jungen Kinder die zu uns im Rahmen der autimusspezifischen Frühförderung kommen, sind das natürlich ganz andere Methoden, wie die für die Abiturienten die Unterstützung beim Übergang von der Schule in die Berufsfindung. Die Rahmenbedingungen kann man sich eventuell gleich vorstellen. Die Termine finden regelmäßig wöchentlich statt und meist über einen sehr langen Zeitraum. Bei unseren jungen Kindern ist es oftmals sinnvoll auch die Eltern in die Förderung miteinzubeziehen, was bei unseren Jugendlichen oder jungen Erwachsenen natürlich nicht mehr stattfindet. Hier bekommen die Eltern -wenn sie es wünschen- separate Termine, um zu erfahren was bei Menschen mit Autismus anders ist.
Was ist denn bei Menschen mit Autismus so anders?
Menschen mit Autismus sind unserer lauten und vollen Welt ohne einen wirklich guten Reizfilter ausgesetzt und dadurch ergeben sich oftmals auffällig wirkende Verhaltensweisen. Gemäß Definition ist Autismus eine neurologische Entwicklungsstörung, die ganz verschieden ausgeprägt sein kann. Maßgeblich ist bei allen Betroffenen die Kommunikation und die Interaktion beeinträchtigt, also auch das Zusammensein miteinander deutlich beeinträchtigt. Manche finden nicht in das gesprochene Wort und kommunizieren in ihrer ganz eigenen Weise mit uns. Anderen bleibt der soziale Gebrauch der Sprache fremd. So gibt es auch autistische Menschen, die aufgrund ihrer kognitiven Beeinträchtigung oder geistigen Behinderung, vieles nicht verstehen und mit abwehrendem Verhalten reagieren. Alle autistischen Menschen, egal ob kleine oder große, haben dadurch eine deutliche stärke Stressbelastung.
Findet die Förderung auch im häuslichen Umfeld statt?
Auf jeden Fall, auch da. Genauso gut aber auch in der Kita, der Schule oder in der Natur. Ich habe Förderungen schon auf dem Bahnhof oder im Supermarkt mit unseren Klienten durchgeführt. Unser Konzept ist da ganz flexibel und wir gehen dorthin wo es für unsere Kinder und Jugendlichen gut oder schwierig ist. Denn nur in einem autismusfreundlichem Setting hier im ATB zu fördern, ist langfristig wenig zielführend. Anfangs ist es oftmals ganz wichtig in einer reisreduzierten Umgebung überhaupt erst einmal in Kontakt zu kommen. Aber genauso wichtig ist es, Erlerntes in die autismusunfreundliche Realität zu transportieren. Denn das können autistische Menschen nicht gut, Erfahrungen und Erlerntes von einer Situation in eine andere Situation mitzunehmen und dann automatisch abzurufen. Also erleben wir das dort wo es wichtig ist-gemeinsam. Es geht uns nicht um das stupide Üben und Kompensieren, sondern um Wissensvermittlung.